Morbides Wien – von Friedhöfen, Gruften, Mumien und dem Tod

[Werbung*] Hätte der Tod eine Nationalität, wäre er bestimmt Wiener. Denn die Beziehung der Wiener zum Tod ist schon eine besondere. Sie besingen ihn, zelebrieren die Bestattung („A schöne Leich“) und widmen ihm eigene Museen sowie Touristentouren. Getreu dem Motto: Wir können ihn nicht vermeiden, also feiern wir ihn. Meine Wege führten mich schon öfters nach Wien, im Rahmen einer Pressereise aber lernte ich die österreichische Hauptstadt einmal von ihrer dunklen aber doch wieder sehr spannenden Seite kennen. Wenn auch du einmal die morbide Seele von Wien kennenlernen willst, habe ich heute ein paar Sightseeing-Tips für dich:

Narrenturm – Heimat der größten pathologisch-anatomischen Sammlung der Welt

Der im Jahr 1784 auf Anordnung von Kaiser Joseph II. neben dem Allgemeinen Krankenhaus (AKH) errichtete Narrenturm war die erste europäische Anstalt, in der ausschließlich geisteskranke Menschen behandelt wurden. Die Menschen lebten in 139 – anfangs türenlosen und mit kleineren Fenstern ausgestatteten – Doppelzimmern (13 m²) und wurden dem damaligen Stand der ärztlichen Wissenschaft entsprechend jedoch mit heute teils unvorstellbaren Heilmethoden behandelt. 1869 wurde die Irrenanstalt geschlossen. Ab 1920 wurde der Narrenturm u.a. von Krankenschwestern und Ärzten bewohnt sowie von der Uniklinik als Lager genutzt.

Heute ist im ehemaligen AKH die Medizinische Universität Wien untergebracht und der Narrenturm beherbergt seit 1971 die größte pathologisch-anatomische Sammlung der Welt. Zahlreiche Präparate halfen und helfen den Medizinern bei der Erforschung von Krankheiten. Die riesige Sammlung erklärt sich u.a. damit, dass es 1811 eine Anordnung gab, wonach alle Professoren Präparate anzufertigen und auffällige medizinische Stücke abzuliefern hatten.

Das Erdgeschoß kann auf eigene Faust besichtigt werden, die oberen Stockwerke sind nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Megaspannend und sehr eindrucksvoll, aber Achtung: die Ausstellung ist nichts für Menschen mit empfindlichem Magen oder schwachen Nerven! Ob Knochen-Präparate (u.a. Missbildungen aller Art), in Formalin eingelegte Organe oder lebensechte Wachsabdrücke (Moulagen) von schrecklichen Hautkrankheiten – hier siehst du alles direkt und ungeschminkt.

  • Pathologisch-anatomische Sammlung, Narrenturm, Spitalgasse 2, 1090 Wien
  • Öffnungszeiten: Mittwoch 10-18 Uhr, Donnerstag 10-13 Uhr, Samstag 10-13 Uhr, Feiertage geschlossen
  • Eintrittspreis: € 4,– bzw. € 2,– ermäßigt
  • Anreise: zB Straßenbahnen 5 und 33 – Haltestelle Lazarettgasse sowie 37, 38, 40, 41, 42 – Haltestelle Sensengasse
  • Mehr Informationen

Unterirdisches Wien

Herzogsgruft und Katakomben im Stephansdom

Herzog Rudolf IV. stiftete 1363 die unter dem Wiener Stephansdom gelegene Herzogsgruft, welche bis 1576 als Grabkammer für die Habsburger diente. Von 1564 bis 1878 wurden die Eingeweide der verstorbenen Habsburger in Seidentücher eingewickelt und in Spiritus eingelegt in zugelöteten Urnen bestattet. Das Herz wurde bis 1654 entweder in einer eigenen Herzurne ebenfalls in den Katakomben des Stephansdom oder im Sarg direkt beigesetzt, später bekam es seinen Platz im Herzgrüftl der Augustinerkirche.

Rund um den Stephansdom befand sich früher der Stephansfreithof (St. Stephan’s Freidhoff). Der Keller vom Stephansdom wurde als Gebeinhaus (= Karner zu der Totenpain), also zur Aufbewahrung der Überreste von aufgelassenen Gräbern, genutzt. Als der Friedhof 1732 von Kaiser Karl VI. gesperrt wurde, erhielt die Kirche die Genehmigung, unterhalb des Stephansdoms Bestattungen durchführen zu dürfen. Infolgedessen wurden einige Grufträume (Katakomben) errichtet, in welchen zwischen 1745 und 1783 10.893 Personen bestattet wurden. Dabei wurden die Leichname übereinander gestapelt – war ein Raum voll, wurde er zugemauert. So entstand Nekropolis, die Stadt der Toten. 1783 wurden mittels eines Hofdekrets Begräbnisse in Kirchen und Gruften verboten, ein Jahr später mussten letztere geschlossen werden.

Heute ist nur ein Teil des unterirdischen Katakombensystems zugänglich, aber du wirst trotzdem zahlreiche menschliche Gebeine zu sehen bekommen. Eine letzte Ruhestätte finden im Steffl heute nur mehr Bischöfe und Domherren.

  • Domkirche St. Stephan, Stephansplatz 3, 1010 Wien
  • Anreise: U-Bahnen 1 und 3 sowie Straßenbahnen 1A und 3A bis Stephansplatz
  • Der Zugang zu den Katakomben befindet sich direkt im linken Seitenschiff des Stephansdoms. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich.
  • Führungen (30 Min.): Montag bis Samstag: 10:00 – 11:30 Uhr und 13:30 – 16:30 Uhr, Sonn- und Feiertag: 13:30 – 16:30 Uhr
  • Tickets: Erwachsene: € 5,50; Kinder: € 2,-
  • Gruppen (ab 15 Personen): 8:00 – 12:00 Uhr
  • Mehr Informationen

Herzgrüftl (Augustinerkirche)

Die Augustinerkirche wurde 1327 gegründet und war von 1634 – 1918 die kaiserlich-königliche Hofpfarrkirche. So fand hier u.a. die Hochzeit von Kaiser Franz Joseph und Sissi statt. Ursprünglich wurde die Kirche von den Mönchen des Augustinerordens betreut, welche aber durch die Josephinischen Maßnahmen und napoleonischen Kriege ausstarben. Danach übernahmen Weltpriester die Augustinerkirche, seit 1951 wirken hier wieder Augustinermönche.

Rechts vorne in der Augustinerkirche findest du die Herzgruft der Habsburg- und Habsburg-Lothringen Familie. Für Monarchen, Fürsten, Herzöge und höher gestellte Adelige galt früher der Brauch der getrennten Bestattung, weshalb die Habsburger ihre sterblichen Überreste auf mehrere Orte verteilte. Während die Eingeweide in den Katakomben des Stephansdoms und die sonstigen sterblichen Überreste in der Kaisergruft aufbewahrt werden, fanden seit dem testamentarischen Wunsch von Kaiser Ferdinand IV. insgesamt 54 Herzen von Habsburgern ihren Platz in der Herzgruft der Loretokapelle der Augustinerkirche.

Wer die Augustinerkirche betritt, erblickt auf der rechten Seite das von Antonio Canova im Auftrag von Albert von Sachsen-Teschen für dessen Gemahlin und Lieblingstochter von Kaiserin Maria Theresia, Erzherzogin Marie Christine, geschaffene Grabdenkmal. Das Monument gilt als Hauptwerk der klassizistischen Grabmalkunst. Es ist aber nur ein Grabmal, beigesetzt wurde Erzherzogin Marie Christine in der Kaisergruft. Canova selbst erhielt in der Kirche Santa Maria dei Frari in Venedig ein Grabdenkmal, welches auf diesem Werk in der Augustinerkirche basiert.

  • Katholische Kirche St. Augustin, Augustinerstraße 3, 1010 Wien
  • Führung Herzgruft: Sonn- und Feiertag nach dem Hochamt in der Loretokapelle, ansonsten nur gegen telefonische Voranmeldung (Tel: +43/1/5337099); Erwachsene: € 2,50, Kinder: € 1,–
  • Anreise: zB U3 Herrengasse; U1/U3 Stephansplatz; Bus 2A Plankengasse
  • Mehr Informationen zur Kirche

Kaisergruft – Kapuzinergruft

1619 wurden das Kapuzinerkloster und dessen Kirche von Kaiserin Anna gestiftet. Unterhalb der Kapuzinerkirche befindet sich die Kaisergruft, in welcher 150 Angehörige der Habsburger ihre letzte Ruhestätte fanden. Während Kaiserin Anna und ihr Mann Matthias in schlichten Bleisärgen bestattet wurden ist v.a. der Sarkophag von Kaiserin Maria Theresia üppig geschmückt. Die Gründergruft wurde mehrfach erweitert auf heute insgesamt 10 Abschnitte: Gründer-, Leopolds-, Karlsgruft, Maria-Theresien-Gruft, Franzens-, Ferdinands-, Toskanagruft, Neue Gruft, Franz-Josephs-Gruft und Gruftkapelle.

Maria Theresia ließ ihr Mausoleum zu Lebzeiten gestalten und war mit dem Ergebnis offenbar zufrieden: „Hier wird einmahl gutt ruhen seyn“ (Kaiserin Maria Theresia nach der Fertigstellung ihres Mausoleums)

In der Maria-Theresien-Gruft ist mit Reichsgräfin Karolina von Fuchs-Mollarth auch die einzige Nicht-Habsburgerin bestattet. Sie war Gouvernante von Maria Theresia und Erzieherin von deren Kindern. Männliche Nicht-Habsburger finden sich mehrere in der Gruft. Wer mag, kann sich virtuell auf der Website der Kapuzinergruft in die Lebensläufe der in der Gruft bestatteten Angehörigen des Kaiserhauses einlesen. Dabei werden die Heiratspolitik, hohe Kindersterblichkeit und Krankheits- bzw. Sterberisiken der damaligen Zeit deutlich. Als Todesursache sind häufig die Pocken angegeben, einige Frauen starben im Zuge einer Schwangerschaft oder im Kindbett, so zB Kaiserin Margarita Terese, die 1673 mit 21 Jahren im Kindbett ihrer 6. Schwangerschaft verschied oder Kaiserin Maria Theresia von Neapel-Sizilien, die 1807 mit 35 Jahren kurz nach der Geburt ihres 12. Kindes starb.

„Wenn sie als Lebende unter uns geweilt hat, so soll sie es auch als Tote.“ Ihrem Schwager Kaiser Franz I. hat Henriette von Nassau-Weilburg zu verdanken, dass sie als einzige Protestantin inmitten der ansonsten erzkatholischen Kaiserfamilie in der Kapuzinergruft bestattet ist. Henriette brachte 1816 den Brauch eines Christbaums nach Wien – ja, ich war überrascht, dass der Christbaum in Österreich noch nicht länger Tradition hat.

Die letzte Kaiserin von Österreich war Zita von Bourbon-Parma, die das erste Sozial- und Gesundheitsministerium der Welt initiierte. Ihr Sohn Otto von Habsburg wurde im Jahr 2011 als bislang letzte Person in der Kapuzinergruft bestattet.

Begräbnisse wurden bei den Habsburgern mit zahlreichen Bräuchen und teils mehrtägigen Staatsbegräbnisse zelebriert, weshalb die bereits erwähnte getrennte Bestattung von Leichnam, Herz und sonstigen Eingeweiden praktiziert wurde. Diese wurden bereits wenige Stunden nach Todeseintritt entnommen und der Körper konserviert, damit der Leichnam auch nach Tagen noch am offenen Sarg mehr oder weniger pietätvoll zur Schau gestellt werden konnte. Die getrennte Bestattung hatte aber auch den Vorteil, dass man mehrere Interessen befriedigen konnte: der letzte Kaiser Karl I. starb beispielsweise im Exil auf Madeira. Sein Herz wurde in der Familiengruft seiner Nachkommen in der Schweiz bestattet, sein Leichnam blieb in Madeira. Der Leichnam seiner Frau Zita hingegen befindet sich in der Kaisergruft in Wien, während ihr Herz ihrem Wunsch zufolge bei jenem ihres Mannes in der Schweiz aufbewahrt wird. Ihr Sohn Otto liegt in der selben Gruft wie sie, sein Herz wollte er aber in Ungarn bestattet wissen. Die Frau von Otto liegt ebenfalls in der Kaisergruft, ihr Herz aber in der Gruft ihrer Familie. Habsburger, die nicht Monarchen waren, wurden auf eigenem Wunsch oft nicht seziert und/oder einbalsamiert. Vor allem die Möglichkeit der Leichenkonservierung mithilfe von Formaldehyd ab Ende des 19. Jhdt. brachte einige Mitglieder dazu, die getrennte Bestattung abzulehnen.

„… damit du weißt, Wanderer, daß die Majestät auch begraben nie untergeht.“ (Sarginschrift Kaiser Karls VI.)

  • Öffnungszeiten: täglich 10:00 – 18:00 Uhr, Donnerstag bereits ab 09:00 Uhr, letzter Einlass: 17:30 Uhr
  • Führungen: Mittwoch – Samstag 14:00 Uhr deutsch, 15:30 Uhr englisch; Mai – Oktober auch am Sonntag (14:00 Uhr). Für Gruppen Sondertermine auf Anfrage.
  • Mehr Informationen (u.a. zu den Eintrittspreisen)
  • Wer danach eine kulinarische Verschnaufpause braucht und Gusto auf österreichische Spezialitäten hat: nur wenige Fußminuten entfernt ist der Stadtheurige Gigerl.

Michaeler Gruft

Die Michaeler Kirche wurde im 13. Jhdt. erbaut und hatte einen eigenen Friedhof, welchen Kaiser Maximillian I. 1508 aufheben ließ, weil er zu nahe bei der Kaiserlichen Hofburg lag. Er wollte, dass die Toten außerhalb der Stadtmauern beigesetzt werden. Unter der Michaeler Kirche wurden jedoch ab der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts Einzel- bzw. im 17. Jahrhundert auch Pfarrgrüfte errichtet. In diesen fanden Adelige, Kaufleute, Hofbedienstete, Handwerker und Angehörige von Pfarreien ihre letzte Ruhestätte. Der bekannteste unter ihnen ist Pietro Metastasio (gest. 1782), welcher die Texte für die Opern von W. A. Mozart schrieb. In den Jahren 1631 bis 1784 wurden in der Michaeler Gruft ca. 4.000 Tote beigesetzt.

1923 haben die Salvatorianer die Kirche übernommen und die übereinander gestapelten Särge geordnet. Bomben zerstörten gegen Ende des 2. Weltkrieges die Wasserleitungen auf dem Michaelerplatz, weshalb die Gruft überschwemmt wurde. Die damit verbundenen Schäden konnten erst Jahre später behoben werden. Seit 1977 ist die Michaelergruft elektrisch beleuchtet und der Öffentlichkeit zugänglich. Durch den vorhandenen Luftzug sind die Leichname teils mumifiziert. Zuletzt richtete zuletzt ein Rüsselkäfer Schäden an, welchem aber der Garaus gemacht werden konnte und so hast du heute im Rahmen einer Führung die Möglichkeit, neben den Metallsärgen der Oberschicht auch bemalte Holzsärge und ein paar gut erhaltene Mumien in ihren Kleidern zu sehen. Die Michaelergruft ist eine von acht bekannten Grüften in Europa, in welchen Leichname auf natürlichem Wege mumifiziert sind. Insgesamt besteht die Michaelergruft aus 19 Teilgrüften verschiedener Größe mit in Summe etwa 250 Särgen, wobei nur ein Teil der Gruft für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

  • Michaelerkirche, Michaelerplatz 4 – 5, 1010 Wien
  • Anreise: U3 Herrengasse; Bus 1A, 2A Michaelerplatz
  • Führungen: Freitag und Samstag jeweils 11:00 Uhr und 13:00 Uhr, ausgenommen kirchliche Feiertage; Erwachsene: € 7,–, Kinder: € 3,–
  • Infos zu Gruft-Führungen und Preisen

Schottenstift

Gründer des Schottenstifts und der Schottenkirche war Heinrich II. Jasomirgott, welcher irische Mönche nach Wien brachte. Irland wurde damals noch als Neuschottland bezeichnet, deshalb der Name Schottenstift. Später gingen Stift und Kirche an die Benediktiner über. 1155 wurde mit dem Bau der ersten Kirche begonnen und auch wenn diese und Nachfolgebauten durch Brand und Erdbeben weitgehend zerstört wurden, gilt die Schottenkirche heute als älteste Klosterkirche von Wien. Hier haben u.a. die Mitglieder der Gründerfamilie des Schottenstifts (Heinrich II. Jasomirgott mit seiner 2. Frau Theodora und Tochter Agnes) sowie Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg ihre letzte Ruhe gefunden. Letzterer war eine zentrale Figur bei der Verteidigung Wiens während der Türkenbelagerung von 1683. Speziell für die Krypta des Schottenstifts ist der Sarkophagaltar aus Salzburger Marmor, welcher der zentrale Punkt der Gruftkirche ist.

  • Schottenstift Benediktinerabtei „Unserer Lieben Frau zu den Schotten“, Freyung 6, 1010 Wien
  • Anreise: u.a. Bus 1A Schottentor U, U3 Herrengasse, Straßenbahn 1, 71, D Rathausplatz/Burgtheater
  • Führungen in der Kirche bzw. Krypta: jeden Samstag um 14:30 Uhr (ausgenommen Feiertage), Treffpunkt ist der Klosterladen des Schottenstifts

Friedhöfe

Zentralfriedhof

„Es lebe der Zentralfriedhof, und seine Jubilare. Sie lieg’n und sie verfeul’n scho durt seit über hundert Jahre.“ (Textzeile aus „Es lebe der Zentralfriedhof“ von Wolfgang Ambros) Circa 330.000 Gräber, davon 1.000 Ehrengräber, 2,5 km² Fläche, 3 Mio. begrabene Menschen aller Konfessionen, über 80 km Straßen, 40 km Hecken – der Wiener Zentralfriedhof ist der zweitgrößte Friedhof Europas. Dabei ist er nur einer von mehreren Friedhöfen in Wien. Durchschnittlich finden hier 30 Begräbnisse pro Tag statt.

Udo Jürgens, Falco, Franz Schubert, Ludwig van Beethoven, Johann Strauß Vater und Sohn – zahlreiche berühmte Personen haben am Wiener Zentralfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Der erste, der am Wiener Zentralfriedhof begraben wurde, war Jakob Zelzer (1.11.1874). Insgesamt sind auf dem Zentralfriedhof mehr Menschen begraben als aktuell in Wien leben (1,9 Mio. Einwohner).

Der Zentralfriedhof ist eine riesige Parkanlage mit teils sehr prunkvollen und durchaus ungewöhnlichen Grabanlagen. Wer Glück hat, trifft auch auf Hasen, Feldhamster oder Rehe. Wer mag, kann an einer Führung durch den Wiener Zentralfriedhof teilnehmen.

Im Zentrum des Friedhofs steht die 58,5 m hohe Jugendstil-Kirche ‚Zum Heiligen Karl Borromäus‘ (auch Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche genannt), welche von 1905 bis 1910 nach den Plänen von Max Hegele erbaut wurde. Direkt vor der Kirche befindet sich die für die Öffentlichkeit nicht direkt zugängliche Präsidentengruft, in welcher seit 1945 die österreichischen Bundespräsidenten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

  • Wiener Zentralfriedhof, Simmeringer Hauptstraße 234, 1110 Wien
  • Anreise: u.a. Straßenbahn 11 oder 71 bis Zentralfriedhof (Die Tore 1 – 4 haben jeweils eine eigene Haltestelle.) Schnellbahnen S 2, 7 bis Zentralfriedhof.
  • Führungen (organisiert durch die Friedhöfe Wien GmbH): April, Mai, Juni, September, Oktober gegen Voranmeldung, Dauer: 2 Stunden, Preis: € 12,– für Erwachsene, € 5,– für Kinder unter 14 Jahren / Studierende / Präsenzdiener / Menschen mit Behinderungen. Daneben gibt es auch noch Fiaker-Führungen.
  • Anstelle einer Führung kann man den Friedhof auch mit einem Audioguide erkunden (Hearonymus App. Die Langversion ist kostenpflichtig (€ 6,99), vor Ort kann sie günstiger erworben werden).
  • Auf dem Friedhofsgelände befindet sich ein Bestattungsmuseum mit über 250 Objekten, jede Menge Bilder und Informationen über heute vielleicht kurios erscheinende Bräuche wie zB den Totenwecker: Die Leute hatten Angst, lebendig begraben zu werden, weshalb im Sarg ein Wecker angebracht wurde, mit welchem sie sich im Fall der Fälle bemerkbar machen hätten können. 
  • Zudem gibt es einen eigenen Souvenirshop ua für Fans von Artikeln mit schwarzem Humor. Angeboten wird auch ein eigener Friedhofshonig. Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 16:00 Uhr

Friedhof der Namenslosen

Zahlreiche Menschen fanden in der Donau den Tod, viele von ihnen wurden in der Vergangenheit aufgrund eines Wasserstrudels beim Alberner Hafen angeschwemmt. Ursprünglich (1540 – 1900) wurden diese Menschen an ihrem Fundort bestattet (heute der Bereich zwischen der Auferstehungskapelle und der Hafeneinfahrt). Nachdem dieser Standort aber immer wieder überschwemmt wurde und auch Wildtiere die schlichten Gräber verwüsteten, wurde er 1900 aufgelassen. 478 unbekannte Menschen liegen aber nach wie vor dort begraben. Ihnen ist heute ein Gedenkkreuz gewidmet. Der Friedhof selbst wurde in eine natürliche Mulde verlegt. Von 1900 bis 1939 wurden hier noch 132 Tote begraben, nunmehr allerdings in Holzsärgen und in einem eingezäunten Friedhof. Nicht alle konnten identifiziert werden, weshalb viele Kreuze hier keine Namen tragen und der Friedhof der Namenslosen zu seinem Namen kam.

Das Gebiet beim Hafen wurde häufig von Hochwassern heimgesucht, bis schließlich auf Geheiß von Kaiser Franz Joseph II in den Jahren 1785/86 die heutigen Hochwasserschutzdämme gebaut wurden. Weil diese aber noch immer nicht ausreichend Schutz für die Bewohner in diesem Gebiet boten, wurden die Dämme von 1933 – 1935 verstärkt bzw. erhöht. Als Erinnerung an diese Maßnahmen wurde die Auferstehungskapelle am Friedhof der Namenslosen errichtet und im Oktober 1935 von Kardinal Innitzer geweiht.

Neben der Kapelle befindet sich noch ein weiteres Gebäude auf dem Friedhofsgelände. In diesem untersuchte der Amtsarzt die Toten, bevor sie – sofern eine Identitätsfeststellung nicht erfolgen konnte und keine Gewaltanwendung ersichtlich war – bereits am nächsten Tag bestattet wurden. Franz Fuchs kümmerte sich von 1932 – 1939 um den Friedhof, wurde aber dann in den Krieg eingezogen. 1940 wurde am Friedhof die letzte Person bestattet. Als Franz Fuchs schließlich 1947 aus der Gefangenschaft heimkehrte, brachte er in mühevoller Kleinarbeit den Friedhof wieder auf Vordermann. Unter anderem ersetzte er die maroden Birkenkreuze durch gusseiserne Kreuze, die ihm von aufgelassenen Gräbern anderer Friedhöfe überlassen wurden.

  • Friedhof der Namenslosen, Alberner Hafenzufahrtsstraße – 1. Molostraße, 1110 Wien
  • Anreise: U3 Richtung Simmering bis Enkplatz, von dort Bus 76A oder 76B bis Albern, anschließend ca. 15 Min. Fußweg
  • Der Friedhof ist frei zugänglich und wird nach wie vor von Familie Fuchs privat gepflegt. Ein Besuch der Kapelle sowie der Totenkammer ist nur nach vorheriger Terminvereinbarung möglich
  • Messe in Kapelle: jeden 1. Sonntag im Monat um 15:30 Uhr
  • Mehr Informationen

Mozart’s Requiem in der Karlskirche

Infolge der Pestepidemie, welche 1713 in Wien wütete, ließ Kaiser Karl VI diese dem Pestheiligen Karl Borromäus gewidmete imposante Barockkirche errichten. Sie wurde überwiegend nach den Plänen des Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach gestaltet und 1737 geweiht. Kaiser Karl VI erlebte die erste Messe noch mit, seine Totenmesse wurde 1740 in der Karlskirche abgehalten.

Abends finden in der Karlskirche oft Konzerte statt, u.a. wird regelmäßig auch das zum Thema „Morbides Wien“ passende Requiem KV626 von Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt. Das musikalische Talent des gebürtigen Salzburgers wurde schon früh entdeckt und vom Vater ehrgeizig unterstützt. Bereits von früher Kindheit an unternahm Mozart Konzertreisen und schuf er Kompositionen. Das Requiem KV 626 war eine Auftragsarbeit vom Sommer 1791, welche in Mozart’s letzte Lebensphase fiel. Mozart sah seinen Tod kommen und er durchlebte verschiedene Gefühlsphasen, welche sich im Requiem wiederspiegeln. Das nicht fertig gewordene Requiem wurde schließlich von Franz Xaver Süssmayr vollendet. Um die Todesursache von Mozart ranken sich viele Gerüchte, auch weiß man nur, dass er am St. Marxer Friedhof in Wien bestattet wurde, den genauen Ort seines Grabes kennt man nicht.

In der Karlskirche wurde übrigens 1896 der Leichnam von Anton Bruckner eingesegnet, seine letzte Ruhestätte fand dieser allerdings im oberösterreichischen Stift St. Florian.

Guides für Touren durch das Morbide Wien

Hier zwei Empfehlungen für Guides, die dich in die Welt des Morbiden Wiens entführen, mit dir in den Untergrund hinabsteigen oder dir Geschichten zu den Gräbern auf dem Zentralfriedhof erzählen:

Morbides Wien als Lektüre für daheim:  A schöne Leich: Der Wiener und sein Tod. (Hilde Schmölzer) (Affiliate Link **)

Hoteltipp für Wien: Novotel Wien Hauptbahnhof

Ob du die vielen letzten Ruhestätten in Wien besichtigen magst, lieber durch die Innenstadt schlenderst oder beruflich in Wien zu tun hast: am Abend willst du sicher gut schlafen. Mein Tipp heute: das Novotel Wien Hauptbahnhof. Seit der Errichtung des Hauptbahnhofes ist aus dem ehemals doch etwas grindigen 10. Bezirk ein hippes Viertel geworden. Eine neue Wohngegend ist entstanden, Firmen haben sich niedergelassen und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptbahnhof haben sich ein paar Hotels angesiedelt. Eines davon ist das Novotel Wien Hauptbahnhof****, welches ich im Rahmen der Pressereise „Morbides Wien“ testen durfte. Bereits aus dem Zug konnte ich das Hotel sehen und so fand ich auch sofort den richtigen Ausgang aus dem Hauptbahnhof, einmal über die Straße rüber und schon war ich da. Begrüßt wurde ich von Bildern aus der Kaiserzeit sowie einem modern gestalteten Eingangsbereich, der mit der Rezeption, einer Rückzugsoase und der Bar verschwimmt und fließend in den Essbereich übergeht.

Der Check-in war rasch erledigt, lediglich meine Zimmerkarte wollte erst den Lift nicht aktivieren. Das Problem war aber schnell und freundlich gelöst. Und schon konnte es losgehen in den 18. Stock – ich hatte ein Zimmer ganz oben ergattert *juhu*. Okay, nicht ganz, denn es gab noch einen 19. Stock mit Panorama-Fitnessstudio, Dampfbad und Sauna. 

Das Zimmer war sehr großzügig geschnitten und wohnlich eingerichtet. Ich habe mich gleich wohl gefühlt und trotz der schaurigen Aktivitäten während des Tages himmlisch geschlafen. Und nein, der Bahnhof war trotz der Nähe nicht zu hören – schallisolierten Fenstern sei Dank.

Das Frühstücksbuffet verfügt über eine üppige Auswahl: ob frisches Gebäck, Säfte, Müsli oder Wurst, für jeden Geschmack ist etwas da.

Restaurant The FLAVE of Vienna

Wer sein Mittag- oder Abendessen einmal im Hotel einnehmen oder den kleinen Hunger zwischendurch stillen mag, hat im THE FLAVE of Vienna Restaurant Gelegenheit dazu – und zwar auch als Nicht-Hotelgast. Hier schmeckst du österreichische Küche gepaart mit der internationalen kulinarischen Vielfalt Wiens begleitet von einem sehr sympathischen Service-Team und gekrönt mit einem Dessert aus der hauseigenen Patisserie. Ich durfte auch einen Blick in das Reich des Küchenchefs werfen und kann nur sagen: Flossen hoch, der Flugente hat es ausgezeichnet gemundet!

FlugentenFazit: Top Hotel in hervorragender Lage! Ich kann es nur weiter empfehlen und ich bin mir sicher, dass auch die Flugente wieder einmal dort landen wird.

  • Novotel Wien Hauptbahnhof, Canettistraße 6, 1100 Wien
  • Kontakt: +43/1/90922660, h8565@accor.com
  • Website des Hotels
  • Reservierung Restaurant The Flave: +43/1/90922663455;
    h8565-fb@accor.com

Durch seine Nähe zum Hauptbahnhof und die dort haltenden zahlreichen öffentlichen Verkehrsmittel hat das Hotel nicht nur eine perfekte Ausgangslage für Touren durch Wien, sondern auch eine optimale Anbindung zum Flughafen Wien. Und auch fußläufig lässt sich so manche Sehenswürdigkeit in kürzester Zeit erreichen. Für alle Kunstliebhaber empfiehlt sich beispielsweise ein Besuch in den Ausstellungen des Schloss Belvedere (zB Schausammlung im Oberen Belvedere mit Werken von Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka). Das Herresgeschichtliche Museum ist ebenfalls nur einen Katzensprung entfernt und die Karlskirche, die Oper, das Museumsquartier sowie viele weitere Wiener Sehenwürdigkeiten lassen sich ebenfalls gut und gerne zu Fuß erkunden.

*) Ich wurde vom Novotel Wien Hauptbahnhof zu dieser besonderen Pressereise zum Thema „Morbides Wien“ eingeladen und sage vielen herzlichen Dank dafür! Meine Meinung bleibt davon aber unberührt.

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