FlugenteOnTour: Von Schuhen, Pflaumenschnaps und roten Backsteinhäusern – Bad Luhačovice und Umgebung

[Anzeige*] Ostmähren – das ist ein kleines Eckchen in der südöstlichen Ecke der Tschechischen Republik und setzt sich aus den vier Gebieten Kroměříž, Mährische Slowakei, Walachai, Zlín und Luhačovice zusammen.

BAD LUHAČOVICE – VON HOLZHÄUSERN UND MINERALQUELLEN

Bad Luhačovice am Rande der Weißen Karpaten ist DER Kurort von Ostmähren. 17 Quellen mit einer Temperatur zwischen 10 und 14 °C mit einem hohen Mineralgehalt und natürlicher Kohlensäure ziehen kurbegeisterte Besucher an.

Bad Luhačovice ist aber auch architektonisch interessant, denn hier tobte sich Anfang des 20. Jahrhunderts der slowakische Architekt Dušan Jurkovič aus. Er wurde – wie ich finde zu Recht – auch „Holzpoet“ genannt. Wie wir bei unserem Spaziergang durch Bad Luhačovice sehen werden, stechen die einzigartigen Holzhäuser sofort ins Auge, aber beginnen wir am Ortseingang.

Dort steht das größte Hotel von Bad Luhačovice, das Hotel Palace. Altes Haus (1932) mit etwas verstaubter Eleganz trifft auf moderne Medizin. Zahlreiche Anwendungen v.a. für Erkrankungen der Atemwege sowie des Bewegungs- und Verdauungsapparates werden direkt im Haus und nach dem neuesten medizinischen Stand angeboten – perfekt für Kurgäste! Wer den Wellnessfaktor möchte, sollte aber ein anderes Hotel wählen. Der Behandlungsbereich hat eher den Charme eines Krankenhauses als jenen einer Wohlfühloase. In der Nähe des Hotel Palace befindet sich die Alois-Quelle (Aloiska).

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Hotel Palace beginnt die Fussgängerzone, welche wir gemütlich entlang schlendern und dabei viele schöne Häuser und Besonderheiten von Bad Luhačovice entdecken:

Eines der schönsten und auffälligsten Häuser des ganzen Kurortes ist das 4*Hotel Jurkovičův dům, welches inmitten einer malerischen Parkkulisse liegt und nicht nur außen sondern auch innen ungewöhnliche Holzverzierungen aufweist. Wer schon immer einmal in einer goldenen Badewanne plantschen wollte, hat in diesem Hotel Gelegenheit dazu. Und auch die kulinarischen Genüsse kommen in diesem Hotel nicht zu kurz. Der Brunnen vor dem Hotel stammt von der 1958 in Brüssel stattgefundenen EXPO. Die Kolonnade (Velké Kolonády) ist 130 m lang und 10 m breit.

Wir spazieren entlang des kleinen Bächleins Horní Olšava weiter und erreichen erst das Hotel Dům Bedřicha Smetany und wenig später das Hotel Jestřabí.

Es lohnt sich, dem Flusslauf zu folgen und zur Talsperre Luhačovice/Pozlovice weiter zu gehen. Zwischendurch ist der Weg zwar etwas langweilig, aber ab und zu tut sich dann doch was. Endstation meines heutigen Spaziergangs ist der Stausee nach der Talsperre, der zu einer kleinen Rast aber auch zu Wasseraktivitäten einlädt.

Auch in der Umgebung von Bad Luhačovice gibt es Einiges zu entdecken, wie zB Schloss Buchlovice (ca. 40 km), Schloss Vizovice und Distillery Land (ca. 20 km) sowie die Bat’a Stadt Zlín (ca. 22 km).

Schloss Buchlovice – ein Barockjuwel mit historischer geschichte

Im 17. und 18. Jahrhundert nach den Plänen des italienischen Baumeisters Dominic Martinelli im Stil der Spätrenaissance gebaut, wurde Schloss Buchlovice u.a. durch den Umstand berühmt, dass hier im Jahr 1908 unter der Leitung des auf Schloss Buchlovice aufgewachsenen Grafen Leopold Berchtold der österreichisch-ungarische und der russische Außenminister das Abkommen von Buchlau unterzeichnet haben: Bosnien-Herzegowina wird Teil der k.u.k. Monarchie und Österreich unterstützt dafür Russland dabei, erweiterte Durchfahrtsrechte durch die Dardanellen (Meerenge im Mittelmeer) gegenüber dem Osmanischen Reich durchzusetzen. Berchtold wurde in weiterer Folge österreich-ungarischer Außenminister und Schloss Buchlovice zum Repräsentationssitz. Berchtold war im Übrigen nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Ferdinand in Sarajewo maßgeblich für das Ultimatium an Serbien (1914) verantwortlich. Dieses wurde von Serbien nicht bedingungslos akzeptiert, weshalb Österreich wenige Tage später Serbien den Krieg erklärte – der I. Weltkrieg war da.

Wenn man heute so durch die prunkvollen Räume der Barockvilla schlendert, durch den wunderschönen Garten flaniert oder im von Palmen umsäumten Café einkehrt, glaubt man kaum, welche geschichtliche Bedeutung dieses Juwel hat.

Mehr Informationen zu Schloss Buchlovice

Zlín – Von Schuhen und roten Backsteinhäusern
Das Bata-Prinzip: Heute Fantasie, morgen Wirklichkeit

Nein, schön ist Zlín nicht. Rote Backsteinhäuser, wohin man schaut. Industriestadt pur. Trotzdem oder gerade deswegen lohnt sich ein Besuch dieser Stadt in Ostmähren. Denn Zlín hat eine bewegende Geschichte, die auf den Schuhfabrikanten Tomáš Bat’a zurückzuführen ist. Bat’a baute ab 1894 in Zlín ein weltweites Schuhimperium auf und führte inspiriert von den Ford Werken eine Fließbandarbeit und somit die Massen-Schuhproduktion in Tschechien ein. In unmittelbarer Nähe ließ er Häuser für die ArbeiterInnen bauen, in welchen sie mit ihren Familien wohnen konnten. Eine eigene Bank, ein Kino mit 2.270 Sitzplätzen sowie sonstige Freizeitmöglichkeiten durften nicht fehlen. Bat’a hatte dabei allerdings einen Hintergedanken: er wollte in der Firma gebildete Personen haben und so wurden beispielsweise im Kino – wie sollte es anders sein – Filme über Schuhproduktionen gezeigt. Das markanteste Gebäude ist der Wolkenkratzer „21“, welcher im Jahr 1938 fertigstellt wurde und damals mit seiner Höhe von 72 Metern (16 Stockwerke) als das zweithöchste Gebäude Europas galt. Besonders beeindruckt hat mich hier die Fahrt mit dem 5 x 5 m großen Lift, der aber nicht einfach nur ein Lift war. Nein, hier war das Büro des Firmenchefs Bat’a, Waschbecken, Telefon und Klimaanlage inklusive – Zeit war schließlich Geld. Von oben hat man einen guten Überblick über die rund um das Firmenzentrum entstandene Stadt.

1932 starb Tomáš Bat’a bei einem Flugzeugabsturz. Sein Stiefbruder Jan Antonín Bat’a übernahm die Geschäfte, flüchtete jedoch während des II. Weltkrieges nach Brasilien und baute von dort aus die ausländischen Standorte weiter auf. Das tschechische Werk hingegen wurde 1945 verstaatlicht. Der Sohn von Tomáš Bat’a, Tomáš J. Bat’a, emigrierte nach Kanada, wo er die dortige Filiale leiten hätte sollen, dann aber lieber eigene Geschäfte machte. Nach dem Tod seines Onkels führte er die Geschäfte der Firma Bata weiter. Bata ist noch heute ein großer Schuhkonzern. Kaufen kann man Bata-Schuhe nach wie vor in zahlreichen Shops auf der ganzen Welt. Also nicht wundern, wenn ihr beim Shoppen über Bata-Schuhe stolperts ;-) Ihr seid absolute Schuhfreaks, habt aber noch nie von Bata gehört? Dann schmökert mal rein: www.bata.com oder www.bata.at

Die Ausstellung „Das Bata-Prinzip: Heute Fantasie, morgen Wirklichkeit“ im 14|15 Bata Institute erzählt aber nicht nur die Lebens- und Firmengeschichte von Bata sondern beherbergt auch die größte in Europa befindliche Sammlung mit Schuhen aus aller Welt. Die ältesten stammen aus dem 16. Jahrhundert und jedes Paar Schuhe ist exotischer als das vorhergehende. Ob Sandalen aus menschlichem Haar oder Emu-Federn – in diesem Schuhparadies wird man fündig. Nur kaufen kann man hier keine Schuhe mehr, aber unter uns gesagt: bei so manchem Schuh taten mir bereits beim bloßen Anblick die Füße weh ;-)

Alle Informationen zur Ausstellung „The Bat’a Principle“ (leider nur in tschechischer Sprache, deutsche/englische Seite derzeit nicht verfügbar). 

Vizovice – die Heimat des berühmten Pflaumenschnapses Slivovice

Wer kennt ihn nicht, den Slivovitz? Nahezu jeder, der schon einmal die Tschechische Republik besucht hat, hat den berühmten Pflaumenschnaps wohl genossen. In der Gegend rund um Vizovice wird bereits seit 1585 diese „Medizin“ gebraut und ich hatte im Rahmen einer Führung im Distillery Land der Firma Jelinek (gegr. 1894) Gelegenheit, die Pflaumen auf ihrem Weg in die Flasche zu begleiten und ausführlichst zu verkosten *hicks*. Ca. 6 Millionen Kilogramm Zwetschken werden in der Firma Jelinek pro Jahr zum berühmten Sliwowitz verarbeitet. Daneben gibt es auch mit Kirschen, Äpfel oder Birnen und anderen Früchten angesetzte Schnäpse, aber auch Whiskey und Liköre werden hier produziert. Weltweit einzigartig ist die Produktion eines koscheren Schnaps. Dabei erfolgt die gesamte Herstellung nach den strengen Regeln des jüdischen Glaubens und unter Aufsicht eines Vertreters der American Orthodox Union.   

Nach den vielen Kostproben tat etwas frische Luft ganz gut und so genossen wir einen kleinen Spaziergang durch den Park des Barockschlosses von Vizovice (18. Jhdt.), bevor es schließlich zum Abendessen ins nahe gelegene Restaurant Valašský šenk ging. Gang 1: Geräucherte Zunge. Anfangs war ich ziemlich skeptisch, aber letzten Endes hat sie mir überraschenderweise sogar sehr gut geschmeckt. Als Nachspeise gab es typischen walachischen Frgál-Kuchen, der sogar unter dem Schutz der EU steht. Zum Hauptgang gab es übrigens eine Schweinsjungfer … Es gibt für das Schloss Vizovice eine eigene Website, diese ist derzeit allerdings leider nur in Tschechischer Sprache gehalten.

Wo schlafe ich in Bad LuhaČovice?

Soviel Sightseeing (und Alkohol und Essen) macht auch müde. Gut geschlafen, mich verwöhnen lassen und ausgezeichnet gegessen habe ich im Hotel Alexandria in Bad Luhačovice. Das Abschlussessen im Französischen Restaurant wurde zudem noch von gut aussehenden Kellnern mit weißen Handschuhen und im Gleichtakt serviert. Ich staune heute noch :-)

Detaillierte Informationen zum Hotel Alexandria sowie zu ein paar der anderen in diesem Beitrag erwähnten Hotels.

*Ich durfte Ostmähren und insbesondere Bad Luhačovice im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von CzechTourism Austria und der Heilbad Luhačovice AG erkunden. Vielen Dank dafür! Die in diesem Beitrag enthaltene Meinung ist aber meine eigene.

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2 thoughts on “FlugenteOnTour: Von Schuhen, Pflaumenschnaps und roten Backsteinhäusern – Bad Luhačovice und Umgebung

  1. Ich will schon seit Ewigkeiten mal nach Brünn und habe mir überlegt, was es dort in der Region noch alles zu sehen gibt. Diese Bäder klingen ja verlockend! Dass Bata von dort kommt, wusste ich sogar, allerdings nicht, dass man dort so viel besichtigen kann. Ein alter Wolkenkratzer und der besondere Aufzug sind verlockend, das würde ich mir unbedingt auch anschauen.

    Danke für diesen tollen Bericht! Er beweist auch wieder mal, wie wichtig Pressereisen sind – das sind oft Regionen, die man nicht unbedingt besuchen würde, weil sie nicht so präsent sind. Dabei bieten sie so viel; das wird durch Deinen ausführlichen Bericht klar.

    • Ich weiß nicht, ob es mich ohne die Pressereise jemals in diese Ecke verschlagen hätte, aber ich bin froh, dass ich Ostmähren entdecken und dabei viel Neues und Schönes kennenlernen durfte! Während meiner Studienzeit habe ich mit einem Praktikum in Brünn geliebäugelt. Daraus wurde leider nichts. Aber die Idee eines Brünn-Trips ist geblieben und wird hoffentlich auch einmal umgesetzt.

      Vielen lieben Dank für deine lobenden Worte zu meinem Beitrag!

      Liebe Grüße,
      Veronika

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