FlugenteAmBerg: Mühlviertler Johannesweg

Pierbach, Montag, 7:00 Uhr. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Pünktlich mit dem Läuten der Kirchenglocke der 1.000-Seelen-Gemeinde im oberen Mühlviertel stapfe ich leichtfüßig und frohen Mutes los. Vor mir liegen 84 km hügelige Mühlviertler Landschaft. Ich hatte spontan entschlossen, dem Motto des JOHANNESWEGES zu folgen und mich auf den Weg durch die Mühlviertler Alm zu machen. Der Johannesweg ist als Pilgerweg konzipiert, aber natürlich sind auch Menschen ohne Pilgerabsichten eingeladen, den Johannesweg zu erkunden.

Tag 1: Pierbach – St. Leonhard/Freistadt

Ein paar Meter außerhalb der Ortsgrenze von Pierbach tauche ich ein in die ländliche Idylle. Die morgendliche Stille wird nur unterbrochen durch das Schnattern einer Gänseherde und den Milchwagen. Beim Hof der Familie Irxenmayr erreiche ich die erste Station des Pilgerwegs:

„Humor soll dein Leben begleiten, denn er beflügelt deinen Geist und erfreut die Gesellschaft.“

Stimmt, mit Humor geht vieles leichter und Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Der Johannesbrunnen und die Engelskapelle laden zu einer Rast – ich halte mich aber nicht lange auf, die Wetterprognose ist nicht allzu gut und ich will vor dem großen Regen noch ein paar Kilometer schaffen.

Bis Schönau haben mich schon zahlreiche Menschen gegrüßt und mir zum Teil zugewinkt, auf einem Firmenparkplatz in Schönau werde ich aber glatt auf meinen eigentlichen 3 m daneben liegenden Pilgerweg zurückgewiesen. Bei der Sommerrodelbahn auf der Stoaninger Alm regnet es dann tatsächlich und so lege ich eine kleine Pause ein. Während ich mein Frühstück genieße, treffe ich auf die ersten anderen Pilger – hey, und dann gleich sechs. Ein paar davon werde ich im Laufe meiner Pilgerwanderung noch das eine oder andere Mal wiedersehen.

Nach der Sommerrodelbahn geht es steil bergauf und am Herrgottsitz angekommen zeigt mein rechtes Knie erste Ermüdungserscheinungen. Ich ignoriere es und verweile an Station 2 nur kurz. Nachdem Gott die Welt erschaffen hat, soll er sich auf diesem Felsen ausgeruht haben – eine kleine Mulde auf dem Felsen ist Zeugnis dieser Legende. Ob mein Po in die Gesäßmulde von Gott passt, teste ich nicht; meine letzte Pause ist erst wenige Minuten her.

„Bewahre die Geduld, dann kannst du den Tag ohne Hast erleben.“

Es geht ein Stück hinab zur um 1200 erbauten Burgruine Prandegg, von welcher man angeblich einen herrlichen Rundblick in die Alpen genießen kann. Aufgrund von Forstarbeiten bleibt mir dieser leider verwehrt. Ich ignoriere zwar das „Betreten verboten“-Schild, den ganzen Rundweg traue ich mich dann aber doch nicht.

Nach einer Einkehr in der Taverne von Prandegg mache ich mich nach einem kurzen Regenschauer erneut auf dem Weg. Es geht runter ins Tal und wieder rauf auf den Herzogreither Berg. Station 3 ist erreicht. Eine kurze Kletterpartie belohnt mich mit einem wunderbaren Rundblick. Hier stand einmal eine Holzburg. Das Kreuz wurde von einer Bauernfamilie zum Dank dafür errichtet, dass die Bäuerin einen Sturz vom Felsen fast unverletzt überlebte.

„Bleibe mutig, es befreit dich von lähmender Angst, der Basis vieler Krankheiten.“

Die letzten Kilometer bis zu meiner ersten Unterkunft ziehen sich dank zunehmender Knieschmerzen. Aber letztendlich erreiche ich zwar erschöpft aber happy den Gasthof Schwarz in St. Leonhard bei Freistadt. Die ersten 24 km sind geschafft. Gott sei Dank habe ich reserviert. So wartet neben einer herzlichen Begrüßung schon ein schönes Zimmer und eine erholsame Dusche auf mich. Trotz Ruhetag bekomme ich ein ausgezeichnetes Pilgermenü serviert und treffe überraschend auf meine Pilgerkolleginnen von unterwegs wieder. Bei einer Runde Schnaps amüsieren wir uns über die zahlreichen Pilger-Anekdoten der Wirtin, bevor ich dann todmüde ins Bett falle – nicht ohne vorher meine Knie dick mit Pferdebalsam eingeschmiert zu haben. Die Wirtin kennt schon die Wehwechen der Pilgerschar und hat mehrere Dosen Pferdebalsam sowie eine eigene Box für „weche Hax’n“ als Notfallsortiment parat.

Tag 2: St. Leonhard/Freistadt – Kaltenberg

Ausgeruht und mit einem ausgezeichneten Frühstück im Magen sowie Muskelkater in den Füßen führt mich am nächsten Morgen mein erster Weg direkt zur Bäckerei Honeder. Gerüchten zufolge werden fleißige Pilger dort mit Lebkuchen verwöhnt. Trotz Wanderoutfit inklusive Stöcken nimmt man mir das erst nicht ab (die hätten mich am Vorabend in der ungeduschten Version sehen sollen *g*). Letzten Endes habe ich aber dann doch ein paar Guzis im Gepäck, welche ich im Laufe des Tages genüßlich vertilgen werde. Ich *mampf* wusste gar nicht, *mampf* dass die so guten Lebkuchen haben *mampf*. Schon ein paar Meter später erreiche ich die im Jahr 1728 errichtete Bründlkapelle (Station 4). Das Bründlwasser soll v.a. für die Augen und Ohren heilsame Wirkung haben.

„Werde großzügig und strebe nicht gierig nach noch mehr.“

Es geht wieder bergauf. Der Haiderberg wartet, wo ich meinen von der Bründlkapelle mitgebrachten Stein ablege und die Aussicht genieße.

Dem Johannesweg folgend erreiche ich den Galgenbühel (Station 5). Das Hals- bzw. Hochgericht wurde 1570 im Auftrag von Ritter Christoph Haim, Herr von Reichenstein, errichtet. Es sollte gegenüber den Untertanen als Abschreckung dienen, nachdem diese wegen des hohen Robots und zusätzlicher Abgaben aufbegehrt hatten. Ob hier tatsächlich jemand hingerichtet wurde, ist nicht bekannt.

„Sei tolerant gegenüber deinem Gesprächspartner, und akzeptiere auch seine Vorstellungen.“

Ich hingegen frage mich, ob es meinen Johannesweg-Plänen an den Kragen geht und hoffe, dass die eingeworfene Schmerztablette auch Wirkung zeigt. Entschlossen, mich nicht unterkriegen zu lassen, gehe ich weiter und erreiche die Zwischenstromwiese (Station 6). Ein beschauliches Plätzchen mit Holzliegen, bei welchem die Schwarze Aist und die Weiße Aist aufeinander treffen und ab nun den gemeinsamen Namen Waldaist tragen.

„Erhöhe dich nicht selbst, oder sprich nicht abfällig über die Anderen – früher oder später fällt es auf dich zurück.“

Der Johannesweg führt mich weiter über Weitersfelden Richtung Kammererberg und kurz vor dem Anstieg zum höchsten Punkt des gesamten Pilgerwegs befinden sich ein paar Schnapsbars, bei welchen man sich (teils gegen freiwillige Spende, teils zu einem Fixpreis) selbst bedienen kann – Prost! Quer durch eine (friedliche) Kuhherde marschierend steige ich den Berg hinauf und erreiche Station 7: Kammerer Kreuz.

„Sei hilfsbereit und ein guter Gastgeber – es lohnt sich für beide Seiten.“

Mit kleinen Schritten kämpfe ich mich schließlich wieder hinunter. Offenbar biete ich einen derart erbärmlichen Anblick, dass mich ein besorgter Herr abpasst und mir anbietet, sein Auto zu holen. Meine Knie schmerzen zwar ziemlich, aber mein Wille ist stärker und so gibt der nette Herr es auf – nicht ohne zu fragen, wo ich heute nächtigen werde. Wenig überzeugt lässt er mich meinen Weg fortschreiten und so nähere ich mich Schritt für Schritt dem Ziel meiner heutigen Tagesetappe. Kurz vor Kaltenberg passiere ich noch Station 8: die Ursprungskapelle und das Augenbründl. Das Bründl wird seit dem Jahr 1600 als Heilquelle v.a. für Augenkrankheiten aufgesucht. Der Sage nach befand sich schon vor einigen Jahrhunderten an dieser Stelle ein Marienbildnis und soll einem Hirtenknaben hier die Muttergottes erschienen sein.

„Halte Maß in allen Dingen, besonders auch beim Essen und Trinken.“

Ein paar Minuten später erreiche ich Kaltenberg – Endstation von Tag 2. Absolvierte FlugentenTageskilometer laut Handy: 23,67. Ich fühle mich in der urigen Blockhütte der Familie Kern sofort wohl. Die Hüttenbetten sind allerdings alle besetzt, weshalb ich im Nebenhaus ein Doppelzimmer bekomme. Ein Schnapserl und ein nettes Gespräch mit der Hausherrin später falle ich in einen tiefen Schlaf. Ach ja, der besorgte Herr hat übrigens ein paar Minuten nach meiner Ankunft bei meiner Vermieterin angerufen und wollte wissen, ob die Wanderin eh gut angekommen ist oder er sie suchen muss. Ich bin total gerührt über soviel Fürsorge. So unberechtigt ist diese nicht. Ich selbst zweifle ja selbst daran, ob ich bis zum Ende durchhalte. Ich beschließe, am nächsten Tag mal den steilen Kreuzweg bis Unterweißenbach zu gehen und dann zu entscheiden, ob ich abbreche und mich in den Bus Richtung Linz setze oder doch noch weitergehe.

Ihr wollt wissen, ob mich der Johannesweg in die Knie gezwungen hat? In Kürze werde ich euch hier auf dem Blog mehr über meinen weiteren Weg am Johannesweg erzählen.

Ein Gedanke zu “FlugenteAmBerg: Mühlviertler Johannesweg

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